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Das Tal der Tränen

Am 1. Mai 1690 unterlagen die schottischen Jakobiten in der Schlacht bei Cromdale, und die Niederlage Jakobs in Irland in der Schlacht am Boyne beendete den Aufstand. Am 27. August 1691 bot Wilhelm den Hochlandclans eine Amnestie hinsichtlich ihrer Teilnahme am Aufstand an. Bedingung war, dass sie bis zum 1. Januar 1692 einen Treueeid auf ihn ablegen müssten.

Die Oberhäupter der Clans setzten sich mit Jakob, der sich mittlerweile in Frankreich im Exil befand, in Verbindung und wollten von ihm dafür die Erlaubnis erhalten. Jakob zögerte eine Entscheidung zunächst hinaus, da er immer noch plante, nach Britannien zurückzukehren. Als klar wurde, dass dies nicht so bald möglich sein werde, gestattete er den Clanchefs, den Eid zu leisten. Die Antwort erreichte sie Mitte Dezember, wenige Wochen vor dem Stichtag.

Einige Clans leisteten sofort den Eid, während andere dies verweigerten. Alastair MacDonald, 12. Chief von Glencoe, wartete bis zum letzten Tag, bevor er sich aufmachte, den Eid abzulegen. Am 31. Dezember 1691 reiste er nach Fort William und fragte den Kommandeur Colonel Hill, ob er den Eid leisten könne. Hill erklärte ihm, dass er für die Abnahme des Eids nicht zuständig sei und MacDonald schnell nach Inveraray weiterreisen müsse. Dort könne er den Eid vor Sir Colin Campbell, dem Sheriff von Argyll, ablegen. Hill gab MacDonald einen Schutzbrief mit und außerdem einen Brief für Sir Colin Campbell, der bestätigte, dass MacDonald rechtzeitig in Fort William gewesen war, um den Eid abzuleisten. Außerdem versicherte Hill, dass in der Zwischenzeit keine Maßnahmen gegen MacDonald getroffen würden, ohne dass dieser sich vor dem König oder einem Gericht rechtfertigen könne. MacDonald brauchte drei Tage bis nach Inveraray, nicht zuletzt wegen der winterlichen Reisebedingungen. Bei seiner Ankunft war Sir Colin Campbell nicht anwesend und MacDonald musste drei weitere Tage auf ihn warten. Dann nahm Sir Campbell den Eid entgegen.

Während MacDonald der Meinung war, dass er durch die Eidesleistung allen Vorschriften entsprochen habe und deshalb nichts weiter gegen ihn unternommen werden würde, sahen einige Personen innerhalb der Regierung diese Verspätung als eine willkommene Gelegenheit, gegen die MacDonalds vorzugehen und dabei einige ihrer Gegner zu beseitigen.

Ende Januar oder Anfang Februar 1692 wurden die 1. und 2. Kompanie des Earl of Argyll’s Regiments unter dem Kommando von Robert Campbell of Glenlyon, etwa 120 Soldaten, beim Clan der MacDonalds in Glencoe einquartiert. Diese bewirteten sie, wie es traditionell im Hochland üblich war. Der Großteil des Regiments waren Rekruten aus den Ländereien von Argyll, aber nur eine Minderheit trug den Namen Campbell. Die Offiziere kamen hauptsächlich aus dem schottischen Tiefland. Captain Campbell war durch seine Heirat mit dem alten MacDonald verwandt, deshalb wurde er im Haus des Clanoberhaupts einquartiert.

Etwa 14 Tage lang besuchte Captain Campbell jeden Morgen das Haus von Alexander MacDonald, Alistair MacDonalds jüngstem Sohn, der mit Campbells Nichte verheiratet war. Sie war die Schwester von Robert Roy MacGregor. Es ist nicht klar, ob Campbell zu diesem Zeitpunkt wusste, was er durchführen sollte.

Am 12. Februar kam ein Captain Drummond in Glencoe an. Aufgrund einiger Auseinandersetzungen zwischen MacDonald und Drummond im Zusammenhang mit der Eidesleistung war Drummond kein gern gesehener Gast. Obwohl Drummond als Captain des 1. Grenadierregiments ranghöher war als Campbell, übernahm er nicht das Kommando. Er überbrachte lediglich die folgenden Befehle für Robert Campbell, ausgestellt von einem Major Duncanson.

Drummond verbrachte den Abend mit Kartenspiel mit seinen ahnungslosen Opfern und nahm noch eine Einladung zum Essen am folgenden Tag mit dem Clanoberhaupt MacDonald an, bevor er schlafen ging.

Alastair MacDonald wurde getötet, als er morgens aufstehen wollte, aber seine Söhne konnten fliehen, wie zunächst auch seine Frau. Insgesamt wurden 38 Männer in ihren Häusern oder während der Flucht in die Hügel ermordet. Weitere 40 Frauen und Kinder starben, da sie der winterlichen Witterung ungeschützt ausgeliefert waren, nachdem ihre Häuser niedergebrannt worden waren. Andernorts hatten einige Soldaten ihre Gastgeber gewarnt, andere, wie die Leutnants Francis Farquhar und Gilbert Kennedy, zerbrachen lieber ihre Säbel, als den Befehl auszuführen. Sie wurden festgenommen und ins Gefängnis gebracht, später jedoch entlassen, weil sie als Zeugen der Anklage gegen ihre kommandierenden Offiziere aussagten.

Zusätzlich zu den Soldaten, die sich in Glencoe aufhielten, standen in dieser Nacht zwei weitere Abteilungen mit jeweils 400 Mann bereit und sperrten die Fluchtwege ab. Beide Abteilungen erreichten jedoch ihre Positionen zu spät, nicht zuletzt durch den Schneesturm, der den Weg über den Devil’s Staircase bei Kinlochleven unpassierbar machte. Ebenso ist es möglich, dass sie nicht rechtzeitig ankommen wollten, um an dem Verbrechen nicht teilnehmen zu müssen.

[aartikel]0140439897:left:highlands-21[/aartikel] Das Massaker schockierte damals weniger aufgrund der vergleichsweise geringen Zahl der Opfer als vielmehr wegen des eklatanten Missbrauchs des Gastrechts durch die Campbells. Die Tat wird von vielen Schotten noch heute als Schandfleck in deren Clangeschichte betrachtet.

Die Erinnerung an das Massaker und die Fehde zwischen beiden Clans besteht teilweise bis heute. Bis Ende des 20. Jahrhunderts hatte der bei Bergsteigern beliebte Gasthof „Clachaig Inn“ in Glencoe den Hinweis auf der Eingangstür „Zutritt für Hausierer und Campbells verboten”. Generationen von schottischen Kindern lernen heute noch „never trust a Campbell“.


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